Ketose-Check

Mit der Milchkontrolle das Ketose-Risiko einschätzen

Die Ketose ist nicht nur eine der am häufigsten auftretenden Erkrankungen in der Milchproduktion, sie kann beim Auftreten in den ersten Wochen nach der Kalbung auch gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit, Leistung und Fruchtbarkeit der Milchkuh in der weiteren Laktation zur Folge haben und wirtschaftliche Einbußen mit sich bringen. vit hat die Anwendung „Ketose-Check“ entwickelt, die die Milcherzeuger insbesondere bei der Erkennung subklinischer Ketosen unterstützen und Hinweise für Anpassungen im Herdenmanagement und in der Fütterung geben soll. 

  • Ketose-verdächtige Tiere schnell und einfach identifizieren 

  • Kein Mehraufwand – routinemäßig mit der Milchleistungsprüfung 

  • Herdendynamik erkennen und frühzeitig Maßnahmen einleiten 

Aufruf Ketose-Check in NETRINDmlp

Im Ketose-Check wird das Hauptaugenmerk auf die Kühe zwischen dem 5. und 55. Laktationstag gelenkt. Mit einer für die Bereitstellung der Ergebnisse entwickelten QlikSense-Anwendung können Auswertungen in graphischer und tabellarischer Form durch die Anwender in NETRINDmlp aufgerufen werden. Dabei werden Filter zur Betriebsstätte, zum Kalenderjahr, zum Datum der Stallkontrolle und der Laktationsnummer eingesetzt, so dass die Auswertung für den eigenen Betrieb interaktiv und dynamisch erstellt werden kann. 

Überblick mit der Herdenübersicht

Die Herdenübersicht bietet hier über die MLP-Prüfungen der letzten zwölf Monate einen tabellarischen Überblick zu ausgewerteten Tieren innerhalb der ersten 55. Laktationstage und zeigt die Anzahl der Risikotiere für die erste sowie alle weiteren Laktationen an. Ergänzend dazu wird in einer Graphik die Entwicklung des Ketose-Risikos im eigenen Betrieb über die letzten Stallkontrollen dargestellt und mit dem LKV-Durchschnitt verglichen. Die Betrachtung auf Herdenebene bietet sich an, um das Management der Trockensteher zu bewerten oder mögliche Rückschlüsse auf weitere gesundheitliche Probleme, die über das Stoffwechselgeschehen hinausgehen, zu ziehen. 

Einzeltierübersichten

Die Einzeltierübersicht zeigt die betroffenen Tiere in Abhängigkeit vom Laktationsstadium mit Informationen zum bBHB-Wert sowie zur aktuellen Laktationsnummer und der Ausprägung des Ketose-Risikos. Liegt der bBHB-Wert über 1,2 mmol pro Liter Blut, werden die Kühe mit einem Status für erhöhtes Ketose-Risiko (roter Balken) eingestuft, wird der Grenzwert unterschritten, werden die Tiere als unauffällig (grüner Balken) ausgewiesen. Wird ein Wert von 3,0 mmol/L gemessen oder überschritten, besteht für das Tier ein hohes Ketoserisiko (dunkelroter Balken). Im Diagramm werden die Kühe analog zur vorherigen Balkenmarkierung entsprechend ihres Ketose-Risikos mit farblichen Punkten gekennzeichnetBei Tieren mit einem erhöhten bzw. hohen Ketose-Risiko bietet sich eine direkte Kontrolle am Tier an, um weiter mögliche Maßnahmen oder Behandlungen in Erwägung zu ziehen.

Aktionsliste zu Kalbungen

In der Aktionsliste Kalbung werden in einer Tabelle alle Kühe aufgelistet, bei denen in den nächsten drei Monaten eine Kalbung erwartet wird und für die zu Kalbungen in der Vergangenheit Auffälligkeiten, sei es aufgrund eines geschätzten bBHB-Wertes oder einer gemeldeten Stoffwechseldiagnose (Ketose), beobachtet wurden.

Fazit

Der neue „Ketose-Check“ steht den Mitgliedsbetrieben eines vit-angeschlossenen Kontrollverbandes zur Verfügung. Das Modul kann als eigenständige Anwendung, über NETRINDmlp, HERDEplus oder die Webportale der Verbände aufgerufen und genutzt werden. Mit diesem Werkzeug für das Herdenmanagement können Informationen, die mit Hilfe der modernen Milch-MIR-Spektraldatenanalytik routinemäßig gewonnen werden, zeitsparend und effektiv genutzt werden, um die Stoffwechselgesundheit einzelner Kühe sowie der Herde zu beurteilen. Landwirte erkennen somit ein Ketose-Risiko in der eigenen Milchviehherde, auch in Verbindung mit in der betrieblichen Routine eingesetzten Methoden, besser und verfügen über Informationen, die eine frühzeitige und gezielte Einleitung von Maßnahmen im Management sowie in der Fütterung um den Zeitpunkt der Kalbung herum ermöglichen. Unsere Empfehlung: Erkundigen Sie sich bei Ihrem Milchkontrollverband nach dem vorhandenen Angebot!

Ketose ist eine Stoffwechselstörung, die bei Milchkühen nach dem Abkalben auftreten kann. Ist der Energiebedarf für die Milchbildung höher als die über das Futter aufgenommene Energie, gelangt die Kuh in eine negative Energiebilanz. Ein ausgeprägtes und länger anhaltendendes Energiedefizit kann zu einer Störung des Stoffwechsels führen. Die Kuh mobilisiert dann zur Deckung des Energiebedarfs Körperfett. Dabei werden in der Leber vermehrt Ketonkörper gebildet, der wichtigste davon ist Beta-Hydroxybutyrat (BHB). Steigt die im Blut messbare BHB-Konzentration (bBHB), zeigt dies den Grad der Fettmobilisation und damit das Ketose-Risiko an. 

  • Klinische Ketose

    Der Ketonkörpergehalt im Blut steigt so sehr an (bBHB ≥ 3,0 mmol/l), dass klinische Symptome bei den betroffenen Kühen sichtbar und durch eine Untersuchung am Tier festgestellt werden (z.B. Rückgang der Milchleistung, kein Appetit, Azetongeruch, Ausfallerscheinungen)

  • Subklinische Ketose 

    Der Ketonkörpergehalt im Blut ist erhöht (bBHB ≥ 1,2 mmol/l), die betroffenen Kühe zeigen jedoch keine klinischen Symptome. Ohne zusätzliche Untersuchungen am Tier wird eine subklinische Ketose häufig nicht bemerkt, allerdings können auch hier Milchleistung und Gesundheit der Kühe im weiteren Verlauf beeinträchtigt werden.

Der „Ketose-Check“ konnte basierend auf Daten und Erkenntnissen, die im mit dem LKV Weser-Ems gemeinsam durchgeführten Projekt „Stoffwechselmonitoring aus MLP-Daten“ gewonnen wurden, entwickelt werden. Dazu wurden zunächst in 7 Milcherzeugerbetrieben, die im Verbandsgebiet des LKV Weser-Ems liegen, über einen Zeitraum von sechs Monaten Milch- und Blutproben von 300 Kühen mit den dazugehörigen Milchanalyseergebnissen sowie Daten zur Gesundheit der einzelnen Tiere erhoben. Diese Informationen und weitere Daten sind dann in die Entwicklung eines neuen Verfahrens zur Erkennung Ketose verdächtiger Tiere eingeflossen. Grundlage des Verfahrens ist ein statistisches Modell, bei dem die aus Blutproben bestimmten bBHB-Werte als Referenzgröße dienen. Als erklärende Variablen werden Daten aus der routinemäßigen Milchanalyse herangezogen, insbesondere Mittelinfrarot-(MIR-)Spektraldaten aus MLP-Proben sowie Angaben zur einzelnen Kuh, wie Laktationsstadium und Laktationsnummer. Zusätzlich wird berücksichtigt, inwiefern die im MIR-Spektrum enthaltenen Informationen in Kombination mit den tierspezifischen Merkmalen zur Schätzung des bBHB-Wertes beitragen. Auf dieser Basis lässt sich der Blut-BHB-Wert einer einzelnen Kuh aus den Milch-MIR-Spektraldaten und den tierspezifischen Angaben abschätzen. Dadurch können Ketose verdächtige Kühe schnell, einfach und ohne zusätzliche Blutproben identifiziert werden.

Bei der MIR-Spektraldaten basierten Schätzung von Merkmalen, wie z.B. bBHB, können in Abhängigkeit vom einzelnen Milchanalysegerät sowie im zeitlichen Verlauf Ungenauigkeiten auftreten. Um dies zu korrigieren, setzt vit ein selbst entwickeltes Verfahren zur Standardisierung der MIR-Spektraldaten ein. Dazu werden in einem täglich durchgeführten Prozess die aus den Milchlaboren bereitgestellten Milch-MIR-Spektraldaten unter Zuhilfenahme von Informationen zum beprobten Tier in einem statistischen Verfahren um gerätespezifische Effekte bereinigt. Dies stellt sicher, dass die auf verschiedenen Geräten analysierten Milchspektren vergleichbare Ergebnisse zum bBHB-Gehalt liefern.